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2017/08/07

Faber & Fiva - Bardentreffen Nürnberg (28.-30.07.2017)

Letztes Jahr fiel das Bardentreffens für mich leider aufgrund eines mehrtägigen Krankenhaus- Aufenthalts aus. Ein Grund mehr, dieses Jahr ein paar Highlights mitzunehmen. Die Gesundheit machte uns Freitag fast wieder einen Strich durch die Rechnung, doch zumindest ich konnte am Abend noch ein paar Kräfte sammeln, um doch noch nach Nürnberg zu fahren.

Mit unserem Wochenend-Besuch Dirk von Flockes Plattenkiste wollte ich mich am Sebalder Platz treffen. Leichter gesagt als getan: Ich war überrascht wie voll die Stadt war. Am Hauptmarkt, wo grad die Red Hot Chili Pipers zu spielen anfingen, kam ich kaum vorbei. Am Sebalder Platz standen auch schon Massen vor der Bühne und Dirk meldete seinen Standpunkt natürlich genau auf der anderen Seite. So versuchte ich mich durch die Menschenmenge zu mogeln und erlebte den Beginn von FABER mittendrin. Sollte ich diesen perfekten Blick auf die Bühne aufgeben? Ja! Denn allein ist es nur halb so schön. Wenn schon, dann wollte ich das Konzert zusammen mit Dirk erleben. 

Nach den ersten zwei Songs hatten wir uns dann endlich gefunden. Faber war pünktlich halb zehn mit seiner Band auf die Bühne getreten und bereits nach einer viertel Stunde vermeldete ich den Daheim-Gebliebenen "Sehr, sehr geil". Vom Bühnenbild über die Akustik, bis hin zu seiner Bühnenpräsenz und markanten Aussprache - es passte einfach alles. Während er für eine Zigarettenpause hinter die Bühne verschwand, wusste seine Band diese Zeit bestens instrumental zu überbrücken. Als er wieder kam vermutete ich fast schon das letzte Lied, doch weit gefehlt. Stattdessen bedankte er sich bei den Veranstaltern dafür, länger spielen zu dürfen. Eigentlich war das Konzert nur für eine Stunde angesetzt. Da er laut Programmheft aber der letzte auf dieser Bühne war, entschied er ein volles 90 Minuten Konzert durchzuziehen. 

Für mich klang es als hätte Faber die längere Spielzeit selbst so festgelegt ohne sich mit dem Veranstalter abzustimmen. Das passt zu Faber - der einfach alles ein bisschen anders macht, sich nicht an strikte Regeln hält und nicht nur mit seinen provokanten Texten gegen den Strom schwimmt. Definitiv ein würdiger Vertreter des diesjährigen Mottos beim Bardentreffen: Gegenwind. Auf das Theater rund um die Zugabe ließ er sich ein, weil das wohl eine "Tradition auf Popkonzerten" sei. Dem Publikum machte er ein wunderbares Kompliment: "In Bayern feiert man gut, aber in Franken feiert man besser." Auch ich war wieder mal begeistert vom Nürnberger Publikum, das sich voll und ganz auf die Musik von Faber einließ, zumindest in unserem Umkreis nicht schwatzte sondern aufmerksam den Texten lauschte, mitklatschte und tanzte.

Ein wenig Wehmut überkam mich als ich die Tragemamas mit ihren schlafenden Babies sah oder das wild zu Faber tanzende Kleinkind: Meinem Sohn hätte es wohl auch gefallen. Mir fehlte an diesem Abend jedoch die Kraft mich mit ihm durch die Menschenmassen zu kämpfen. Zumal ich mich dann hätte weniger auf die Musik konzentrieren können. Dafür verbrachten wir dann den Samstag gemeinsam in der Stadt. Wir begannen den Tag um 15 Uhr mit einem Kinderkonzert von Tony Geiling & das Wolkenorchester im Kulturgarten. Das war genau das Richtige für meinen 2-Jährigen, wobei die Aufmerksamkeitsspanne nach einer halben Stunde vorbei war.

Weiter ging es dann zum Lorenzer Platz, wo Nick & June auftreten sollten. Leider in anderer Besetzung als ich sie vor drei Jahren in der Kofferfabrik gesehen hatte. Die neue Frontfrau neben Nick konnte mich nicht überzeugen, keine Ausstrahlung, so emotionslos - während er weiterhin auf der Bühne strahlte. Vielleicht ist dieser Kontrast ja gewollt. Die Musik, die ich eher nebenbei verfolgte, gefiel mir wieder - die Akustik empfand ist jedoch als verbesserungswürdig.

Danach liefen wir einmal um die Lorenzkirche herum, wo wir ein paar Straßenkünstlern lauschten - das was das Bardentreffen eigentlich ausmacht und was ich nächstes Jahr gern etwas intensiver erleben möchte. Pünktlich zum Auftritt von The Lasts trafen wir uns wieder mit Dirk am Lorenzer Platz. Sie erinnerten mich irgendwie an die späte Kate Nash oder auch Gurr. Definitiv eine ansprechende Bühnenpräsenz. Manche Lieder konnte man gut hören, manche waren mir zu trashig. Deshalb entschied ich mich nach einer Weile lieber noch ein wenig durch die Straßen zu ziehen...

... eine Nebenstraße weiter kam mir eine Band doch sehr bekannt vor: zufällig hatte ich die Boat Shed Pioneers entdeckt. Was für ein Glück! Ich hatte mir so gewünscht, sie zu sehen - letztes Jahr verpasste ich sie krankheitsbedingt sowohl bei Folk im Park als auch beim Bardentreffen. Erst vor ein paar Monaten hatte ich Gelegenheit sie kurz im Rahmen des Gostenhofer Kneipenfestival Bierchen und Bühnchen zu sehen. Sie nun als einer der vielen Straßenmusiker des Bardentreffens in einer kleinen Gasse zu erleben, war für mich das Highlight am Samstag. Nach einer ausgiebigen Pause, die wir für ein Abendessen im Admiral nutzten, spielten sie ein weiteres Set. Für uns war es trotzdem langsam an der Zeit heim zu gehen - jedoch nicht ohne diesen Ohrwurm im Gepäck:
"Everything’s, everything’s alright in the end
And if it’s not alright it is not yet the end."
Ein ganzer Tag ist bei den Menschenmassen einfach doch irgendwann anstrengend - mit und für Kleinkind. Deshalb entschied ich mich am Sonntag auf das Nachmittagskonzert von Sarah Lesch zu verzichten - ein Kindergeburtstag im Wald war bei gut 30 Grad einfach die bessere Alternative für mich und meinen Sohn. Erst am Abend machte ich mich dann auf den Weg zum Abschlusskonzert des diesjährigen Bardentreffens: Fiva & JRBB.

Diesmal klappte die Verabredung mit Dirk recht unkompliziert und zehn Minuten vor geplantem Konzertbeginn hatten wir uns Stehplätze mit gutem Blick auf die Bühne der Insel Schütt gesichert. Die Jazz Rausch Big Band schien bereits vollständig und stimmte die Instrumente. Das klang schon gut und ich war optimistisch, dass das Konzert pünktlich um Zehn beginnen würde. Als dies 20 Minuten später noch immer nicht der Fall war, machte sich langsam Unruhe breit. Jede Minute, die das Konzert später beginnen würde, würde schließlich von der maximalen Spieldauer abgezogen werden, die aufgrund der Sperrstunde nicht verhandelbar war. Mein anfänglicher Optimismus wurde zudem von der Sorge eines erneuten Unwetters, wie wir es am Nachmittag erlebt hatten, abgelöst.

Irgendwann kam eine der Veranstalter auf die Bühne, entschuldigte sich für diesen heftigen "Gegenwind" aufgrund technischer Probleme beim 41. Bardentreffen. Unter dessen verließ die Jazz Rausch Big Band die Bühne und der Unmut im Publikum wuchs. Würde es sich lohnen zu warten? Ich nehme die Antwort vorweg: Ja! Um 22:45 Uhr trat die Veranstalterin erneut auf die Bühne und versprach, dass Fiva nun auf die Bühne kommen würde. Nach einem - für meinen Geschmack - viel zu langen instrumentalen Intro war sie dann da, entschuldigte sich, schien selbst bedrückt, aufgrund der technischen Probleme das erste Mal seit 20 Jahren ohne DJ Radrum auftreten zu müssen und versprach, dass nun die "beste halbe Stunde des Bardentreffens" beginnen würde.
"Gib mir die Hand und wir spring zusammen. Eins, zwei, drei.
Das Beste ist noch nicht vorbei."
Sie sollte recht behalten. Mit dem Wissen, dass aufgrund der Sperrstunde um 23:15 Uhr alles vorbei sein würde, gaben Fiva & JRBB alles. Fiva schaffte es den Unmut des Publikums in Begeisterung zu verwandeln. Es herrschte von einer Sekunde auf die anderen eine so gute Stimmung als müsse man jetzt einfach alles aus dieser halben Stunde rausholen. Und vor allem dem Regen trotzen, der pünktlich zum späten Beginn angefangen hatte und immer stärker wurde. Vom Gewitter in der Ferne ließ sich auch niemand beeindrucken, was zählte war das Hier und Jetzt.
"Raus in den Sommer, es wird früh genug kalt. (...) 
Ich will einen Sommer lang nut tanzen."
Auf Ansagen verzichtete Fiva - dafür sei einfach keine Zeit, und nach zwei Liedern kam eine gute Nachricht: DJ Radrum war startklar. Ich persönlich hätte ihn nicht zwingend gebraucht, fand ich das Zusammenspiel von Rap und Orchester schon beeindruckend genug. Der Typ an der Percusssion strahlte auffallend gute Laune aus. Doch ohne DJ scheint wohl doch irgendwas zu fehlen.

Als Fiva das letzte Lied ankündigen musste, gab sie zu, dass ihr Herz gerade zerfetzen würde. Um die berechtigten Buh Schreie zu vermeiden, versprach sie, nächstes Jahr wieder zu kommen. Ich bin gespannt, ob sie dieses Versprechen einlösen kann und freue mich nun erstmal auf ein komplettes Konzert im November im E-Werk Erlangen. Denn Fiva hat es in dieser halben Stunde definitiv geschafft mich davon zu überzeugen, dass sich ein Konzert von Fiva & JRBB mehr als lohnt.



2017/08/05

Folk im Park - Marienbergpark Nürnberg (23.07.2017)

Mein drittes Mal bei Folk im Park. 2013 mit meinem Freund und Dirk von Flockes Plattenkiste. 2015 mit meinem Freund und Baby. 2017 nun mit Ehemann und Kleinkind. Letztes Jahr blieb mir dieses wunderbare Festival aufgrund eines Unfalls verwehrt. Wie sehr wünschte ich mir deshalb dieses Jahr unbedingt dabei zu sein. Weniger des Line-Up wegen, viel mehr wollte ich diesen besonderen Zauber zwischen Folk und Kinderanimation mit meinem inzwischen 2-Jährigen musikbegeisterten Sohn erleben. Wieder einmal hat die Vorfreude mir nicht zu viel versprochen.

Als wir kurz nach Zwei durch den Einlass gingen - mein Mann bekam ohne Probleme noch ein Ticket an der Tageskasse - spielten bereits Folk's worst nightmare. Ich fühlte mich an die Tour of Tours erinnert, haben sich doch auch hier mehrere Künstler zu einem Musikprojekt zusammengeschlossen. Gewöhnlich spielen die lokalen Bands immer als Erstes - in diesem Fall hätten sie wunderbar auch am Ende gepasst. Nach ein paar Bier würden die Lieder in der Dämmerung vielleicht doch noch etwas besser wirken. Was wie Kritik klingt, soll eigentlich ein Kompliment sein.

Aber der Reihe nach: Zunächst suchten wir uns einen Platz für unsere Picknickdecke. So nah am Kinderbereich waren wir noch nie und so wenig Zeit wie in diesem Jahr haben wir noch nie an unserem Platz verbracht. So ändern sich eben die Prioritäten. Unser Sohn entdeckte sofort das Bobbycar, wenig später die riesigen Lego Steine, den Maltisch, Rutsche usw. Langeweile konnte nun wirklich nicht aufkommen. Auch zwischen den Umbaupausen auf der Hauptbühne wurde Programm auf der Kinderbühne geboten: Zweimal traten Ben & the Sunshine Boys auf, sangen deutsch-englische Kinderlieder zum Mitmachen. Den Spaßkoffer Eichi werden wir so schnell auch nicht vergessen. Lief unser Sohn doch kurz vor dem Höhepunkt der Show vor der Bühne herum, während Eichi tiefenentspannt blieb: "Nimm dir die Zeit, die du brauchst."

Mein musikalisches Highlight trat bereits als zweiter Programmpunkt auf der Hauptbühne auf: Burkini Beach. Vor einigen Wochen hatte ich ihn auf egofm entdeckt und war begeistert als ich den Namen mit Folk im Park in Verbindung bringen konnte. Mich erinnerten seine berührenden Songs an Conor Oberst / Bright Eyes. Während seines Auftritts blieb ich mit geschlossenen Augen auf unserer Decke liegen - ein Genuss. Was für ein perfekter Festivaltag mit der Familie.

Der Rest des Tages verflog nur so. Ich schaute nicht auf die Uhr, wusste nicht wie lange wer spielte, wann der nächste Auftritt war. Die Zeit schien keine Rolle zu spielen, wir verbrachten einfach einen entspannten Nachmittag bei guter Musik, die wir mal mehr mal weniger aufmerksam verfolgten. Die Organisatoren, die jeden Künstler ankündigten, ließen es sich nicht nehmen zu der Besonderheit des diesjährigen Folk im Park Stellung zu nehmen: Das Line-Up der Herren. Während der eine eine Sitzgruppe zur Diskussion anbot, betonte der andere, dass die Qualität der Musik doch im Vordergrund stünde - und die war auch ohne weibliche Unterstützung definitiv geboten:

Zwar gefiel uns der Neuseeländer Marlon Williams weniger gut, doch der Niederländer Kim Janssen traf dann wieder eher unseren Geschmack. Charlie Cunningham war auch echt gut, lud mit einem Cover sogar zum Mitklatschen ein - mein Mann fand es irre entspannend zu seiner Musik das Jonglieren mit dem Diabolo zu üben. Nick Mulvey bildete einen schönen Abschluss (auch wenn Folk's Worst Nightmare an dieser Stelle sicher auch noch mal Laune gemacht hätten) - inzwischen brach die Dunkelheit ein und der Konzertabend endete kurz nach zehn. (Anschließend wurde noch der Film "Once" gezeigt, wir entschieden uns jedoch heim zu fahren.)

Neben der Vielfalt an kulinarischen Angeboten und den milden Temperaturen (trocken, windig, nicht zu warm), war ich wieder mal begeistert von all dem, was Folk im Park ausmacht: All die entspannten Menschen - ja, die Eltern und Kinder eingeschlossen. Mit gutem Gewissen barfußlaufen, weil keine Scherben rumliegen. Keine Taschenkontrollen und sich trotzdem sicher fühlen inmitten dieser friedlichen und entspannten Atmosphäre. "Magisch", trifft es ganz gut.

Eva Croissant - Wohnzimmerkonzert Fürth (12.07.2017)

Vor einigen Wochen machte mich Dirk von Flockes Plattenkiste auf das Geheimkonzert von Eva Croissant in Nürnberg aufmerksam. Begeistert von der Option sogar ein Ticket für meinen 2-Jährigen Sohn buchen zu können, sicherte ich mir sofort zwei Plätze. Da Eva noch Locations suchte, bot ich ihr direkt unser Wohnzimmer an, in dem bereits byebye und Liza&Kay gespielt hatten. Eine Woche später - zwei Wochen vor dem geplanten Konzert - antwortete sie:  

"Ganz lieben Dank für das tolle Angebot! Ich würde sehr gerne am 12.7. bei euch spielen. Wollen wir das gemeinsam machen?" 

Voller Euphorie sagte ich sofort zu und begann Freunde und Kollegen zu informieren, die teilweise schon auf den vergangenen Konzerten dabei waren. Weiterhin mussten die Getränke für den Abend organisiert werden und einen Tag vorher zerbrach ich mir den Kopf, was ich denn noch für kleine Snacks anbieten könnte. Die letzten Vorbereitungen verschob ich erfolgreich auf den letzten Tag. Genauer gesagt auf den Mittagsschlaf, den mein Sohn natürlich erst zwanzig Minuten vor der Ankunft der ersten Gäste begann. Nicht nur ich fragte mich an diesem Nachmittag, warum ich mir das bloß wieder antat. Die Antwort sollte nicht lange auf sich warten...

Während sich die Wohnung zunächst mit den Krippenfreunden unseres Sohnes füllte, konnte ich langsam durchatmen: Mein Herz ging auf bei all dem Leben, das sich nun durch unsere Wohnung zog. Wenn es nun chaotisch werden würde, könnte man alles beherzt auf die Kinder schieben. Nein, in erster Linie war die Idee, dass die Kinder sich zunächst in Ruhe an die neue Umgebung gewöhnen könnten, bevor noch so viele unbekannte Menschen die Wohnung stürmen würden. Und so ließen sich die Kinder die Nudeln auf der in der Küche ausgebreiteten Picknickdecke schmecken, während Eva mit ihrer Cellisten Lotte (Charlotte Jeschke) ankam und mit dem Aufbau begann.

Ab halb sieben trudelten dann alle anderen Gäste - insgesamt 30 - langsam ein. Darunter waren acht Personen, die sich über Evas Website für das Konzert angemeldet hatten, und mir somit gänzlich unbekannt waren. Allesamt waren sie mir sympathisch, besonders stach der Familienvater heraus, der mich direkt zur Begrüßung beinahe entsetzt fragte: "Was bringt einen dazu wildfremde Leute zu einem Konzert ins eigene Wohnzimmer einzuladen?" Abgesehen davon, dass auch ich mir diese Frage tagsüber leicht überfordert gestellt hatte, war die Antwort sehr einfach:  

"Wir gehen gern auf Konzerte. Mit Kleinkind geht das nur eingeschränkt, also holen wir uns die Künstler einfach nach Hause."

Pünktlich um sieben begann Eva mit dem Konzert. Eine wunderschöne, sanfte Stimme. Leider etwas leise, in diesem kleinen Kreis aber eigentlich völlig ausreichend. Im Laufe des Abends schwankte die Geräuschkulisse zwar aufgrund unserer sehr jungen Gäste, dennoch konnte ich den Liedern weitestgehend folgen. Für mich persönlich waren die fünf wilden Kleinkinder sowieso das Highlight des Abends. Einfach schön zu sehen, wie man Musikgenuss für die Großen mit Spaß für die Kleinen verbinden kann. Zugegeben die fröhlichen Gute-Laune-Lieder von Liza&Kay hätten zu diesem "ganz normalen Wahnsinn" etwas besser gepasst als Eva's gefühlvollen Balladen.

Neben Songs aus Ihrem Album "Du bist nicht irgendwer", spielte Eva uns unter anderem auch drei Lieder vor, die sie noch nicht komplett zu Ende geschrieben hatte. Das Publikum war begeistert und bat Eva, diese bitte alsbald fertig zu schreiben. Lotte begleitete Eva am Cello - nur für ein Lied wechselten die Beiden die Plätze und Eva versuchte sich selbst daran Cello zu spielen, während sie "Schweigen ist Silber" von Philipp Poisel sang. Ich habe zwar nicht viel Ahnung vom Musizieren, aber in meinen Ohren klang das schon sehr professionell. Nach eineinhalb Stunden, inklusive einer kleinen Pause, war der Zauber dann vorbei und die Gäste hatten Gelegenheit, Fotos zu machen, Autogramme zu holen und Eva's Album "Du bist nicht irgendwer" zu kaufen. 

Nach dem Konzert konnte ich es mir nicht nehmen, den Familienvater auf seine Frage zu Beginn anzusprechen: "Und? Könntet ihr es euch jetzt auch in eurem Wohnzimmer vorstellen?" Kopfnickend blickte er zu seiner Frau und beiden Töchtern: "Doch, also jetzt denken wir tatsächlich drüber nach." Diese Reaktion fasst wohl ganz gut zusammen, was für eine Faszination diese besonderen Konzerte auslösen, welch' Zauber sie versprühen. Auch Freunde, die sonst eher Rock mögen, dankten mir noch Wochen nach dem Konzert, und gaben zu, Eva's Lieder rauf und runter zu hören.


2017/05/08

Liza&Kay - Wohnzimmer Fürth (22.04.2017)

Nach dem Wohnzimmerkonzert von byebye vor drei Jahren, ergab sich vor zwei Wochen endlich wieder eines dieser ganz besonderen Konzerte in unseren vier Wänden: Liza&Kay waren mit Jeden Tag Silvester auf Tour und hatten vor ein paar Wochen nach privaten Unterkünften gefragt. Als Dankeschön würden sie ein Frühstückskonzert spielen. Auf sie aufmerksam wurden wir übrigens im Juni 2016 als wir über The Market im Täubchenthal Leipzig schlenderten.

Zwar spielten Liza&Kay nicht in Franken, jedoch hatten sie nach dem Konzert in München ein paar Tage Tourpause, sodass ich Ihnen vorschlug nach dem Konzert direkt nach Fürth zu kommen, um schon einen Teil der Heimstrecke nach Hamburg geschafft zu haben. Die Idee gefiel den Beiden und so kamen sie im Anschluss an das Münchner Konzert kurz nach Mitternacht bei uns an.

Gut ausgeschlafen hatten wir am nächsten Morgen beim Frühstück die Gelegenheit uns ein bisschen kennenzulernen. Immer wieder sind wir fasziniert von (unabhängigen) Musikern, die den Mut haben, ihr Hobby zum Beruf zu machen. Für uns war das mangels Talent nie eine Option und auch sonst sind wir wohl zu sehr auf Sicherheit bedachte Spießer. Aber immerhin mit Leidenschaft für gute und handgemachte Musik.

Halb elf trudelten die ersten Gäste ein. Bereits beim ersten Klingeln rannte unser Sohn Paul direkt zu Liza, reichte ihr seine Hand, damit sie ihn zur Tür begleitete. Und so begrüßte sie - mit ihrer positiv auffallenden Herzlichkeit - jeden Gast persönlich mit Paul, der ganz entzückt war vor Freude über so viel Besuch. Mehr und mehr wurde unsere Wohnung von einer ganz besonderen Stimmung - einer Mischung aus Aufregung und Neugier - durchzogen.

Pünktlich um 11 Uhr ging es dann los. 45 Minuten lang durften wir der Akustikmusik von Liza&Kay lauschen, mitsingen, klatschen, lachen und schmunzeln. Nicht zuletzt durch die Kleinkinder im Publikum bekam der Auftritt seinen ganz besonderen Charme. Manchmal passten die Liedtexte einfach perfekt zur Situation - da geht es um Sandburgen, Kinderkreiderei, Elefanten, Kakao, Chaos und ganz wichtig: Glücksgefühle. Und überhaupt macht ihre Musik unglaublich gute Laune, nicht zuletzt dank der Fröhlichkeit die Liza ausstrahlt, während sie singt, hüpft, tanzt und lacht. 

Das Debütalbum läuft seit dem Wochenende in Dauerschleife bei uns. Im Herbst werden Liza&Kay ihr zweites Album rausbringen. Release und Tour im September schreien für mich ja immer nur so nach Reeperbahnfestival. Aber wie oft hab ich mich da schon geirrt: Nicht mal die Beginner waren mit ihrem Comeback letztes Jahr als Künstler dabei, obwohl sie Hamburger Jungs sind. Schade eigentlich, das wäre mal was, wenn Hamburger Künstler verstärkt eingebunden würden - wie die Kanadier im Rahmen des Canadian Blast. Da das Festival dieses Jahr sowieso ohne uns stattfindet, setze ich all meine Hoffnung darauf, Liza&Kay auf ihrer Herbsttour erneut live zu erleben.

"In deinen 4 Wänden fliegen Vögel.
Und wie du siehst, sie wollen gar nicht raus.
Bei dir ist Frühling ohne Regen.
Nacht bleibt Tag, wenn du es brauchst."

2017/02/19

Elif - MUZclub Nürnberg (17.02.2017)

Vor etwas mehr als drei Jahren legte mir eine Freundin das Debütalbum von Elif ans Herz. Tatsächlich gefiel es mir gut, doch wirklich intensiv befasste ich mich nicht weiter mit der Künstlerin. Stets auf der Suche nach Konzerten mit dem gewissen Etwas wurde ich Ende letzten Jahres aber auf ihre Akustiktour aufmerksam...

Ich erwartete ein ruhiges Konzert mit nachdenklichen Texten wie ich es hier und da bei Phela erlebt hatte - die zur selben Zeit übrigens Dirk von Flockes Plattenkiste im Elchkeller Hannover besuchte. Tatsächlich ist der musikalische Vergleich zu Phela gar nicht so weit hergeholt. Doch an diesem Abend schaffte es Elif meine Erwartungen sogar noch zu übertreffen. Ich habe schon unzählige Konzertberichte verfasst, doch diesmal fehlen mir die Worte adäquat auszudrücken, was dieses Konzert in mir ausgelöst hat. Diese Frau hat mich richtig "geflashed" - ja, dieses neudeutsche Wort drückt irgendwie am besten aus, was ich während des Konzertes empfand, weil es noch ein bisschen mehr beinhaltet als nur "beeindruckt" und "begeistert". Aber fangen wir von vorn an:

Kurz vor halb neun erreichte ich den MUZclub - übrigens mag ich es gar nicht allein als Frau diesen dunklen Hinterhof reinzugehen, aber gut: Nichts passiert. Am Einlass schnappte ich die Worte "bis 23 Uhr" auf und fragte entgeistert nach. Witzig. Bevor ich ein Kind hatte, wäre ich in die Luft gesprungen, wenn ein Konzert so lange gegangen wäre. Diesmal erschrak ich, wollte ich meine Liebsten doch nicht so lange allein lassen. Als man mir auf Nachfrage "Halb elf" sagte, war ich etwas beruhigter und bereit, mich auf diesen Musikabend einzulassen.

Etwa 10 Minuten nachdem ich den MUZclub betreten hatte, eröffnete Fayzen den Abend. Seine Musikrichtung würde ich als "Sprechgesang" bezeichnen. Stimme, Texte und seine Art gefielen mir. Für den Moment. Da er insbesondere die Trennung von seiner Freundin verarbeitet, waren mir die Songs teilweise jedoch etwas zu deprimierend, sodass ich ihn mir wohl nicht weiter intensiv anhören werde, auch wenn er oft eine zuversichtliche Pointe bereit hielt. Aber hey, bereits bei Fayzen fiel mir das unglaublich aufmerksame Publikum auf. Kein Getuschel, jeder schien sich auf die Musik einzulassen und hörte zu, was Fayzen zu sagen hatte. Warum nicht immer so?!

Nach einer wirklich kurzen Umbaupause stand Elif zusammen mit Multitalent Tim Morten, der zuvor schon Fayzen auf der Gitarre begleitete, auf der Bühne. Ich stand weiter hinten, sodass ich nur selten einen Blick auf sie erhaschen konnte. Doch das tat dem Erlebnis dieses Livekonzerts keinen Abbruch: Ihre Stimme - und um die ging es mir - erfüllte den ganzen Raum, der gleichnamige Song zur "Auf halber Strecke Akustiktour" berührte und entsprach dem, was ich vom Konzert erwartet hatte. Ja, und dann begann sie, eben diese Erwartungen zu übertreffen...

Vor jedem Song erzählte sie etwas, oft sehr persönlich, manchmal witzig,  gelegentlich schon fast vulgär - aber immer auf den Punkt. Sie schaffte es das Publikum auf die Reise in ihre Gefühlswelt mitzunehmen und es gleichermaßen so mitzureißen, dass man das Gefühl hatte auf einer stimmungsvollen Party zu sein, die das Wochenende einläutet, statt auf einem Akustikkonzert. Na klar, es gab ja auch einen Geburtstag zu feiern: Ihre neue Single "Doppelleben" erschien an diesem Tag. Elif zeigte sich sichtlich stolz auf dieses Werk. Und auch bei vielen anderen Songs spürte man, wie viel ihre Songs ihr bedeuten, wie viel Herzblut hinter jeder einzelnen Zeile steckt.

Aber auch Songs anderer Künstler stehen ihr gut, so coverte sie "Ich weiß nicht zu wem ich gehöre" von Marlene Dietrich. Fayzen kam auch noch mal auf die Bühne, um mit ihr zwei Duette zu spielen. Anschließend gab sie noch drei Zugaben zum Besten. Vor dem letzten Lied bat sie das Publikum am Ende zunächst nicht zu klatschen, sodass sie den Song noch kurz im Moment wirken lassen könnte. Sie sagte es VOR dem Song. Und es schien jeder ihre Worte gehört und verinnerlicht zu haben, denn als ihre Stimme verstummte, war kein einziges obligatorisches Klatschen zu hören. Jeder im Raum erfüllte ihren Wunsch und erst nachdem sie ein Zeichen gab, bekam sie den Applaus, den sie verdiente. Ich bin noch immer fasziniert. Ein Publikum, das sowohl aufmerksam lauscht und damit nachdenklichen Songs so viel Würde verleiht. Aber auch klatscht, jubelt, mitsingt, gröhlt, lacht und Sprüche reißt ("Der Tim macht das schon!"), wenn auf der Bühne zum Mitmachen animiert wird.

Da ich mir während des Konzerts nicht wirklich Notizen gemacht habe und vieles wohl sowieso der Situationskomik entspricht, habe ich darauf verzichtet jeden witzigen Spruch, jede Anekdote von Elif niederzuschreiben. Trotzdem hoffe ich, dass es mir gelungen ist, ein wenig wiederzugeben, warum mich dieses Konzert, diese Künstlerin, dieses Publikum - einfach alles - so dermaßen "geflashed" hat. Im Herbst kommt die 24-Jährige (so jung, und so ein starkes Selbstbewusstsein) wieder auf Tour, dann leider nicht ganz so klein und intim, weshalb ich froh bin, diese Chance genutzt zu haben. Ach ja, das Konzert ging übrigens bis 23:13 Uhr... Wow!

Am 26. Mai 2017 erscheint ihr zweites Album. Die Vinyl kann man leider noch nicht vorbestellen. Schade, denn in Zeiten, in denen zwar mehr mp3s als CDs gekauft werden, scheinen Musikliebhaber die Vinyl für sich wieder zu entdecken. Da haben die Plattenfirmen Nachholbedarf.